| 19.08.2010: Verein Odyssee klärt über Risiken von Partydrogen auf | | Drucken | |
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Projektleiter Karsten Willhöft wäre fürs werbende Gewerbe wahrscheinlich ein gefragter Gesprächspartner zum Thema Jugendtrends. Um zu wissen, wo welche Partys steigen, muss er seine Nase tief in die jeweiligen Szenen stecken, denn die kommunizieren nicht klassisch mit Plakaten oder Inseraten, sondern über die diversen Formen des zunehmend in mobiler Form daherkommenden Internets. Auch in Kiel, so berichtet der Sozialpädagoge, gibt es immer wieder Events, zu denen tausende Teilnehmer strömen und von denen trotzdem kein offizieller Mensch etwas weiß. Ähnlich verhält es sich mit den Mittelchen, die konsumiert werden, um die Stimmung oder auch das Durchhaltevermögen zu pushen. Schwer angesagt sind laut Willhöft gegenwärtig die sogenannten Researched Chemicals, die früher als Designerdrogen bezeichnet wurden und einige entscheidende Gemeinsamkeiten aufweisen. Sie sind synthetisch hergestellt, und das immer so, dass sie nicht unters jeweils geltende Betäubungsmittelgesetz fallen. „Bis sie dann doch verboten werden, sind sie für kurze Zeit legal - aber niemand weiß, was genau drinsteckt und wie es wirkt“, beschreibt Willhöft das Problem. Und ergänzt: „Wer so etwas zu sich nimmt, muss wissen, dass er Versuchskaninchen ist.“ Vor solchen Gefahren zu warnen, ist ein Anliegen des Partybusses, der seit August 2007 durch Norddeutschland tourt und feierndes Volk in hoher fünfstelliger Dimension erreicht hat. Ebenso wie die Aufklärung über bereits besser bekannte Drogen. Statt auf moralische Vorhaltungen setzt das Buspersonal dabei auf pragmatische Informationen, um beispielsweise wenigstens zu erreichen, dass besonders gefährdete Konsumentengruppen behutsam mit bestimmten Drogen umgehen. „Dieses Projekt ist in ganz Norddeutschland völlig einmalig“, betont Odyssee-Geschäftsführer Andreas Dehnke und klagt zugleich über erhebliche Geldsorgen. Zum 1. August ist die Finanzierung des bis dahin überwiegend von der „Aktion Mensch“ gesponserten Projekts ausgelaufen; bis eine Anschlussfinanzierung gefunden ist, springt das Diakonische Werk in die Bresche. Ganz einfach wird es nach den Worten von Dehnke mit einer dauerhaften Lösung besonders deshalb nicht, weil sich der Partybus regional in keine Schublade einordnen lässt und sich keine Gebietskörperschaft richtig für ihn wirklich zuständig fühlt. Doch die Odysseer sind optimistisch. Und das hat auch damit zu tun, dass es Partner gibt, die dem kleinen Drogenhilfe-Verein immer wieder zur Seite stehen. So wie jetzt die Stiftung der Evangelischen Darlehnsgenossenschaft (EDG) Kiel. Sie unterstützte den Verein mit 4800 Euro, um einen Anhänger für den Partybus zu kaufen, der vom Zelt bis zu den Heizstrahlern so voll mit Ausstattung geworden war, dass er fast aus den Nähten zu platzen drohte. Die EDG-Stiftung wurde von dem dahinterstehenden Bankhaus 1997 mit einem Kapital von 2,5 Millionen Euro gegründet und schüttet seither jedes Jahr meist 60000 bis 70000 Euro für Sachinvestitionen in kirchliche, diakonische und soziale Projekte aus. |