ODYSSEE e.V. - Förderverein für Sozialarbeit mit Drogenabhängigen und -gefährdeten

 
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05.11.2011: "Rausholen aus der Sucht" - Kieler Metha-Projekt hilft mit weiterentwickeltem Konzept Drogenabhängigen PDF Drucken E-Mail
11_2011_Hempels_ArtikelArtikel aus dem Hempels-Straßenmagazin:
Lebhaft geht es zu im Hinterhof Sophienblatt 73a in Kiel. Das Metha-Projekt des Drogenhilfevereins Odyssee betreibt dort mehrere Arbeitsbereiche und Werkstätten, in denen auch an diesem frühherbstlichen Tag gewerkelt und gebaut wird. Das Besondere: Ehemals drogenabhängige Menschen, die sich in der Substitution mit Ersatzstoffen befinden, sollen dort fit gemacht werden, um irgendwann wieder eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt bekommen zu können.
Seit 1998 gibt es dieses Projekt bereits, damals war es eines der ersten dieser Art in Deutschland. Jetzt wurde dieser Integrationsansatz erneut weiterentwickelt und es sind neue Zugangsvoraussetzungen geschaffen worden: Ein Teil der insgesamt 27 Plätze steht mittlerweile nämlich auch Menschen offen, die in der Grundsicherung oder in Rente sind.
Man wolle Betroffene „noch früher aus der Sucht rausholen“, sagen die Sozialpädagogen Anke Becker und Jochen Schreiber. War früher die Voraussetzung zur Substitution, zuvor bereits teilweise langwierige Aufenthalte in verschiedenen anderen Einrichtungen durchlaufen zu haben, ist der Einstieg in die Substitution heutzutage niedrigschwelliger und auch für junge Menschen einfacher. Interessierte können sich jederzeit an das Metha-Projekt wenden. Die Arbeit unter anderem in Holzwerkstatt, Bootsbau und EDV soll ihnen helfen, eine neue Tagesstruktur zu finden.
Alle Aufträge, die dort bearbeitet werden, sind real. „Es ist wichtig, dass die Teilnehmer nicht nur beschäftigt werden, sondern auch einen Einblick ins wirkliche Erwerbsleben bekommen“, beschreibt Pädagogin Anke Becker ihre Erfahrungen.
Verbunden mit den Arbeitsangeboten findet eine individuelle Beratung und Betreuung durch die beiden Pädagogen Becker und Schreiber statt.
Rausholen aus der Sucht Kieler Metha-Projekt hilft mit weiterentwickeltem Konzept Drogenabhängigen „Das Metha-Projekt ist mein Stohhalm. Hier weiß ich, dass man mir hilft und mich unterstützt.“ Thomas, 37, langjähriger Drogenabhängiger.
Ein weiterer wichtiger Aspekt in den Arbeitsbereichen ist zudem, dass auch für den Eigenbedarf gearbeitet werden kann. Viele Teilnehmer haben in ihrer Wohnung nur das Allernötigste.
In dem neu geschaffenen Kreativ-Bereich können nützliche und schöne Dinge für die Wohnung hergestellt werden. Eine Idee, die auf breites Interesse der Teilnehmer trifft.
Die Aufenthaltsdauer beträgt zwischen sechs und zwölf Monate, je nach Bewilligung. Bei vielen geht es zu Beginn vorerst darum, den Tagesablauf zu strukturieren und sie in die Gruppen zu integrieren. Auch eine körperliche Fitness ist nach zumeist langem Drogenkonsum zu Beginn oftmals nicht da und wird erst mit der Zeit wieder aufgebaut, unter anderem mit dem Freizeitangebot des Metha-Projekts, das beispielsweise Segeln, Kanufahren und Sport beinhaltet. „Wir holen die Menschen dort ab, wo sie gerade stehen“, verdeutlicht Pädagoge Jochen Schreiber das Vorgehen. Die Arbeitsbereiche befinden sich alle in der Produktion, damit die Substituierten am Ende eines Arbeitstages sehen, was sie geleistet haben. Abbrüche verzeichnet das Metha-Projekt zwar selten, können aber aufgrund der individuell schwierigen Lebenssituation durchaus vorkommen. Dennoch: Wer erstmal angefangen hat, der bleibt in der Regel auch dabei. „Das Metha-Projekt ist mein Strohhalm. Hier weiß ich, dass man mir hilft und hier werde ich unterstützt“, sagt denn auch der 37-jährige Teilnehmer Thomas, langjähriger Drogenabhängiger.
Mitmachen im Metha-Projekt können Menschen ab 18 Jahren, wenn sie sich in Grundsicherung oder Rente befinden, sowie Menschen ab 25, die über das Jobcenter Kiel ins Projekt kommen. Seit einigen Jahren beobachtet Mitarbeiterin Anke Becker, dass immer mehr junge Menschen zu ihnen kommen.
In Schleswig-Holstein leben insgesamt 3200 Substituierte, davon allein in Kiel etwa 1300. Der Bedarf an solchen Projekten ist damit weiter steigend. Für die Zukunft wünschen sich die beiden Mitarbeiter daher, dass das Projekt in der Öffen tlichkeit und finanziell etabliert wird, damit sie noch mehr Menschen Auswege aus der Sucht und eine sinnvolle Tagesstruktur bieten können.
Text: Meike Mohr
|Quelle:Hempels Straßenmagazin, 187 11/2011

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